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Dachverband der Oberösterreichischen Diabetikervereinigungen
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SELBSTHILFEGRUPPE RIED
„Wie schlecht geht's Ihnen heute?“Heutzutage erkennt man das Alter der Frauen oft erst beim dritten Hinsehen. Manche Damen sehen so jugendlich aus, dass man sie fast für ihre eigenen Enkeltöchter halten könnte. Doch es gibt Dinge, die das wahre Alter schonungslos verraten. Nein, ich meine nicht die Falten an Hals und Ellbogen. Es ist viel einfacher. Je seniorer die Dame (diese Faustregel lässt sich auch auf Herren anwenden), desto ausführlicher, bildhafter und genüsslicher spricht sie über Krankheiten. Da sitzt man in gemütlicher Kaffeehausrunde, will gerade ein Stückchen Torte genießen ‑ und schon beginnt ein noch verhältnismäßig harmloser Wettbewerb: Wer hat das höchste Cholesterin, wer geht am öftesten messen, wer weiß die besten Mittelchen dagegen? Dann kommen Zucker und Bluthochdruck und als Draufgabe noch die Harnsäure. »Apropos Harn, da hat doch die Susi letztes Jahr einen Bandscheiben-vorfall gehabt, mit beginnender Blasenlähmung. Gerade dass kein Katheter gelegt werden musste wie bei mir seinerzeit.« Die einstmals Katheterisierte schiebt ein Stück Obstschnitte in den Mund und fährt fort, über Restharn und andere Blasenbeschwerden zu reden. Ihre Nachbarin sieht sich offenbar Leid, dass sie aus eigener Erfahrung nur berichten kann, wie oft sie des Nachts die Toilette aufsuchen muss. Aber dafür hat ihr Mann schon eine Nierensteinzertrümmerung hinter sich. Zwischen zwei Bissen Linzertorte stürzt sie sich auf die Schilderung, wie Nierengrieß und Steinsplitter abgegangen sind unter rasenden Schmerzen, schmatz, schmatz. Bald ist man bei den Hüftprothesen angelangt und welcher Arzt sie am besten einsetzen kann und welcher ein Pfuscher ist. Mitunter ist es derselbe, je nach Erfahrungen der einzelnen Damen und ihres Freundeskreises. Dann stockt das Gespräch für einen Augenblick. Doch bald schon rückt das künstliche Kniegelenk in den Mittelpunkt und das Wer, Wie und Wo beginnt von vorne. Erst wenn alles - von der Gehirnblutung bis zur Krallenzehenoperation ‑ ausführlich besprochen ist, bricht die Damenrunde auf. Schön war es wieder! Auch wer nicht ins Kaffeehaus geht, braucht auf Gespräche über Leiden aller Art nicht zu verzichten. Es gibt zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel. Zu bestimmten Zeiten schwirren in ihnen Berichte über Steine, Entzündungen, Verhärtungen oder Erweichungen der verschiedensten Organe nur so durch die Luft. Hier sieht man übrigens, dass Leidensgespräche nicht nur auf das weibliche Geschlecht beschränkt sind. Auch ältere Herren reden gern von schlechten Augen, schlechten Knien und harter Prostata. Selbst wenn es einen nicht interessiert, kann man sein medizinisches Wissen bei einer Straßenbahnfahrt ungemein ausbauen. Dennoch habe ich Verständnis. Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über und wen das Knie zwickt, dem halt auch. »Wenn man es erzählen kann, tut es auch schon weniger weh«, versichert mir eine Freundin. Meine Schwiegermutter brachte hingegen weniger der Leidensdruck zum Leidensgespräch, sondern ihre Kontaktfreude. »Heut hab ich wieder so eine nette Frau kennen gelernt, die hat auch Wadenkrämpfe.« Das verbindet eben. Quelle: Welt der Frau, 4020 Linz, Lustenauerstraße 21, Tel: +43 732 770001-11, Fr. Dr. Renate Doppler
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