Dachverband der Oberösterreichischen Diabetikervereinigungen


 

Depression und depressive Verstimmung bei Diabetes

 „Wege aus einem quälendem Alltag“

Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Energielosigkeit, Antriebsverminderung, Selbstzweifel, Neigung zum Grübeln, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, häufig begleitet von Ängstlichkeit und Unruhe, Appetitstörungen, Schlaflosigkeit, Störungen des Sexualempfindens, Schmerzen und  Konzentrations-schwierigkeiten sind typische Auffälligkeiten einer Depression.

Viele der genannten Gefühlszustände kennen jedoch alle Menschen. Sie sind, wenn sie eine bestimmte Dauer und Stärke nicht überschreiten normale, gesunde Reaktionen auf belastende Erlebnisse (Misserfolge, Verluste, Enttäuschungen oder Erschöpfung). Eine Depression ist mehr als depressive Verstimmung. Depression wird dann zur Krankheit, wenn Mutlosigkeit, Kraftlosigkeit, Verzweiflung oder Apathie den Betroffenen überwältigen und diese Zustände nicht mehr weggehen. Viele verlieren den Glauben an sich, an die Umwelt und an die Zukunft. Die Depression umfasst den ganzen Menschen und kann ihn bis zur Unfähigkeit, den eigenen Lebensverpflichtungen nachzukommen, beeinträchtigen. Oft ist es so schlimm, dass man gar nicht mehr aus dem Bett kommt und sich am liebsten in sein „Schneckenhaus“ zurückziehen will. Kleine alltägliche Entscheidungen beim Kochen oder Einkaufen werden zur Überforderung. Das Gefühl der Lebensmüdigkeit kann folgen. Manchmal ist es gar nicht mehr möglich, Gefühle zu empfinden, so dass ein Gefühl der „Gefühllosigkeit“ oder der inneren Leere entsteht. Und manchmal fühlen sich depressive Menschen gar nicht traurig. Sie leiden stark unter Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Übelkeit oder anderen körperlichen Beschwerden.

Auch wenn bei einem depressiv kranken Menschen seine Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen und körperlichen Vorgänge massiv verändert sind, ist er nicht „verrückt“, sondern gemütskrank. Depression ist allerdings eine echte Krankheit und hat nichts mit Willensschwäche zu tun.

Die Depression zählt heute zu den häufigsten Krankheiten, Tendenz steigend. 17 % aller Menschen leiden zumindest einmal in ihrem Leben daran. Bemerkenswert ist, dass junge und ältere Menschen gleichermaßen betroffen sind. Die Krankheit erfasst auch alle Berufs- und Bildungsschichten. In einem Punkt gibt es allerdings einen beachtlichen Unterschied: Frauen erkranken ungefähr doppelt so häufig wie Männer.

Obwohl wir im Alltagsleben von der Depression sprechen, unterscheiden Fachleute grundsätzlich verschiedene Arten depressiver Störungen.

Zuständig für eine exakte Diagnostik hinsichtlich Art, Schweregrad und Verlauf sind Ärzte oder Klinische Psychologen. Auch die genaue Unterscheidung von anderen psychischen Störungen wie beispielsweise Angststörungen sind sehr wichtig für die Wahl der Behandlung.

 

Wie kommt es zu einer Depression ?

Selten führt ein einzelner Faktor zum Ausbruch einer Depression. Es gibt Menschen die eine höhere Erkrankungsbereitschaft haben, welche sowohl vererbt als auch durch familiäre Erziehungsmuster erworben sein können. In den meisten Fällen gibt es unmittelbare Auslöser für den Beginn einer depressiven Episode: andauernde Überforderung, schlimme Ereignisse, körperliche Erkrankungen, Verlust eines geliebten Menschen, Konflikte. In manchen Fällen bewirken biochemische Prozesse im Körper allein oder jahreszeitliche Einflüsse (z.B. Lichtmangel) eine depressive Störung.

Depressive Verstimmungen können auch im Zusammenhang mit Diabetes auftreten. Oft als psychische Reaktion nach Mitteilung der Diagnose oder bei Zunahme von Folgeerkrankungen. Insbesondere die Vorstellung in seiner Lebensqualität eingeschränkt zu sein oder mit den notwendigen Maßnahmen nicht zurecht zu kommen kann Niedergeschlagenheit und Angst auslösen. Auch Blutzuckerschwankungen können zu Befindlichkeitsstörungen führen, die in der Regel aber nur kurz andauern und von wesentlich leichterem Ausmaß sind als bei einer depressiven Erkrankung. Diabetes muss aber nicht zwingendermaßen mit einer depressiven Verstimmung verbunden sein. Vielmehr spielt die individuelle Persönlichkeit und Sichtweise sowie die jeweilige Lebenssituation eine Rolle.

Forschungsergebnisse haben ergeben, dass ein bestimmter Menschentypus in besonders hohem Maße für Depressionen anfällig ist: Das sind jene Menschen, die oft auch als „Perfektionisten“ bezeichnet werden. Das sind auch jene, die alles „100%ig“ richtig machen möchten und nicht gelernt haben „nein“ zu sagen. Auch andauernde Hilflosigkeitserfahrungen machen fast zwangsläufig depressiv. Wenn sich also ein Mensch gegenüber negativen Einflüssen nicht wehren und sich ihnen auch scheinbar nicht entziehen kann.

                                                                                 

Auswege – Wie können Depressionen behandelt  werden ?

Depressionen sind Krankheiten, die gut und erfolgreich behandelt werden können. Warten Sie nicht wochenlang darauf, dass die Depression von alleine vergeht.

Je früher Sie professionelle Hilfe bei Ihrem Hausarzt, bei einem Psychiater oder Klinischen Psychologen suchen, desto günstiger wirkt sich dies auf die Behandlung und auf die Prognose aus.

Grundsätzlich gibt es mehrere verschiedene Behandlungsverfahren bei depressiven Erkrankungen. Bei der Auswahl spielt unter anderem das Krankheitsstadium eine entscheidende Rolle. Manchmal kann auch ein stationärer Aufenthalt in einem Krankenhaus notwendig sein. Besonders wichtig ist auch, die Behandlung nicht zu früh abzubrechen. Eine medikamentöse Behandlung mit sogenannten Antidepressiva ist vor allem bei mittelgradigen und schweren Formen der Depression notwendig. Antidepressiva wirken meist nach 2 bis 3 Wochen kontinuierlicher Einnahme und machen nicht abhängig.

Neben der medikamentösen Behandlung sind psychotherapeutische Verfahren zu empfehlen. Zu den wissenschaftlichen gut nachgewiesenen und bei Depression (vor allem in der Akutbehandlung) am häufigsten angewendeten Psychotherapien gehört die kognitive Verhaltenstherapie. Ihre Wirksamkeit wird oft der von Medikamenten gleichgestellt, setzt aber ein höheres Maß an Handlungsfähigkeit voraus. Verhaltenstherapie und Medikamente sind keine Gegensätze, sondern lassen sich gut miteinander kombinieren. In den psychotherapeutischen Gesprächen geht es vor allem darum, die Lebensumstände miteinzubeziehen, erfreuliche Aktivitäten aufzubauen und grüblerische Gedankenmuster zu korrigieren. Auch sollen Betroffene Mittel in die Hand bekommen, Probleme langfristig so zu lösen, dass sie aus ihrer Depression herauskommen und einen Rückfall vorbeugen können. Neben Medikamenten und Psychotherapie gibt es noch andere Behandlungsmöglichkeiten wie z.B. die Lichttherapie bei der sogenannten Winterdepression.

Welche Therapie für die Betroffenen am geeignetesten ist, kann am besten nach einem ausführlichen Gespräch beurteilt werden. Unabhängig von der Wahl der Therapie geht es aber immer darum, den Patienten als eine Ganzheit zu verstehen und ihn bei den Entscheidungen miteinzubeziehen.

 

 Was kann man selber tun ?

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Nehmen Sie sich kleine überschaubare Ziele vor und seien Sie geduldig 

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Tun Sie möglichst Dinge, die Sie leicht erreichen können !

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So viel wie möglich körperlich bewegen. Nicht im Bett bleiben !

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Überlegen Sie am Vortag einen Plan für den nächsten Tag !

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Legen Sie sich eine Liste unangenehmer Tätigkeiten zu und planen Sie diese ein !

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Erkennen Sie Ihre pessimistischen Gedanken als Symptom Ihrer Depression, die meist nicht der Wirklichkeit entsprechen !

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Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden darüber. Ziehen Sie sich nicht zurück !

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Achten Sie auf gesunde Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr !

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Liegt eine mittlere oder schwere Depression vor, sind meist Überwindung und das „Sich-Zusammenreißen“ sehr schwierig. Gehen Sie zu einem Arzt oder Psychologen.

 Mag. Inge Meiringer, St. Josef Braunau GmbH, Institut für Klinische Psychologie